Lebensberatung im Bistum Trier - Jahresbericht 2015

Jahresbericht und Rückblick

Neue Anforderungen...

2015 war ein wechselvolles Jahr. Es war geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit den fachlichen Anforderungen an die Beratung für Flüchtlinge mit traumatischen Erfahrungen und die ehrenamtlichen Helfer, die diese begleiten und unterstützen.

...die Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrungen

So wurde eine Vielzahl von Schulungen für Ehrenamtliche durchgeführt, die damit vertraut machen sollten, was ein Trauma ist und wie man sachgemäß mit Menschen umgehen kann, die auf der Flucht u. U. mehrfach traumatisiert wurden. Auch so, dass man selbst das Risiko minimiert, sekundär traumatisiert zu werden. Denn die Berichte von Menschen, die z. B. aus Kriegsgebieten geflohen sind, oder die Fotos, die sie auf ihren Smartphones als Erinnerung mit sich führen, können sehr belastend auf Ehrenamtliche wirken, die nicht darauf vorbereitet sind, welche Brutalität, welche Unmenschlichkeit und welche Grausamkeit die Erfahrungen von geflüchteten Menschen aufbewahren.
Nach Wahrnehmung der Beratungsstellen wird dieser Aspekt immer noch unterschätzt. Dies entspricht der fachlich geteilten Sicht. So hat z. B. die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zu den Notwendigkeiten der Versorgung von Flüchtlingen mit traumatischen Erfahrungen Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass die Rate der Personen, die posttraumatische Belastungsstörungen aufweisen, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das bis zu 10-fache erhöht ist. Dabei kommt die Aufarbeitung des erlebten vielfach erst dann verstärkt in den Blick, wenn Sicherheit geschaffen ist (d. h. der Aufenthaltsstatus geklärt usw.).

Hier gab es auch vermehrt Beratungen von Menschen mit einem Fluchthintergrund. Eine Herausforderung war dabei die Beratung unter Einbezug von Dolmetschern, z. B. bei arabischer Sprache. Englische und französische Beratung konnte zum Teil aus vorhandenen Sprachkenntnissen des Fachpersonals geleistet werden. Hier wie bei der Frage der Vermittlung überhaupt wurde sehr deutlich, dass der Zugang davon abhängig ist, dass die Zusammenarbeit zwischen örtlichen Fachdiensten im Bereich Migration / Flüchtlinge und der ansässigen Lebensberatungsstelle gut funktionieren. Ohne solche Lotsen finden nur wenige Menschen diesen Zugang. Überhaupt möglich wurden sowohl die Angebote im Bereich der Ehrenamtsbegleitung wie im Bereich der Beratung für Flüchtlinge mit traumatischen Erfahrungen dadurch, dass der Bischofsfonds für Flüchtlinge diese Angebote und z. B. auch die Dolmetscherkosten übernahm, wo nötig. Allerdings kamen eben auch immer wieder Menschen mit Fluchthintergrund nicht wegen traumatischer Erfahrungen, sondern wegen Fragen von Erziehungs- oder Paarberatung. Denn der oft von quälend langen Phasen des Nichts-Tun-Dürfens geprägte Aufenthalt in einem noch fremden Land bedeutet auch eine erhebliche Stressbelastung für Kinder und für die Partnerschaft.

Bedingt durch die politisch gewollte Drosselung der Willkommenskultur flachten die Nachfragen allerdings zum Jahresende ab.

Dr. Andreas Zimmer, Leiter der Abteilung Beratung und Prävention
Dr. Andreas Zimmer, Leiter der Abteilung Beratung und Prävention

...Qualifizierung der Beraterinnen und Berater

Das Feld zeigt aber, das integrierte Beratungsstellen weiter gefordert sind, ständig an der Qualifizierung des Fachpersonals zu arbeiten um neuem Beratungsbedarf in einer zunehmend schnelllebigen und nachgerade „volatilen“ Gesellschaft professionell entsprechen zu können.

In dem Zusammenhang überrascht nicht, dass das Bistum Trier einem Beschluss der Bischofskonferenz folgend, in die Planungen ging, um ab 2016 nochmals durch eigene interne Fortbildung die Qualitätsvorgaben des Deutscher Arbeitskreis für Jugend-, Ehe- und Familienberatung (DAKJEF), wie konzeptionell von der Katholischen Bundeskonferenz Ehe-, Familien- und Lebensberatung (KBKEFL) für den Bereich der Paarberatungsstellen in katholischer Trägerschaft vorgelegt, umzusetzen. Der interne Fortbildungs-Bereich war 1999 im Zuge der ersten Sparbeschlüsse outgesourct worden.

Dass er jetzt wieder aufgebaut wird, spiegelt auch wieder, dass es darum geht, die Einführung neuer Mitarbeitender mit neuen Abschlüssen (Bachelor und Master) in die Arbeit integrierter Beratungsstellen durch das Durchlaufen eines „Grundcurriculums“ auf ein solideres Fundament zu stellen. Fortbildung als Grundpfeiler der Lebensberatungsstellen wird damit gestärkt.

...Verhaltenskodex in der professionellen Arbeit

Zu dieser Sicherung und Entwicklung der professionellen Arbeit gehört auch die Implementierung der Vorgaben, die durch das Bundeskinderschutzgesetz und durch die Präventionsordnung des Bistums Trier allen Dienststellen auferlegt wurde, bei denen Mitarbeitende im Nah- und Abhängigkeitsbereich von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen arbeiten. Dazu zählen auch die Dienststellen der Lebensberatung. Denn Beratung baut auf einer vertrauensvollen Beziehung und weist immer ein Machtgefälle zwischen Beratungsfachkraft und Klient auf. Allein das erfordert bereits, den verantwortungsvollen Umgang mit dieser sensiblen Situation, in der sich dem Personal „vulnerable“ Menschen anvertrauen, sicher zu stellen.

So wurde ein Verhaltenskodex partizipativ erarbeitet, vom Träger in Kraft gesetzt und allen Mitarbeitenden zur Unterschrift vorgelegt, die mit ihrer Unterschrift bekräftigen, dass sie hinter dem Anliegen stehen, das die Beratungsstellen des Bistums sichere Räume für Kinder. Jugendliche und Schutzbefohlene sein sollen. Angesichts von Tätigkeitsfeldern im Bereich § 8a Kindeswohlgefährdung oder der zunehmenden Zahl von Klienten, die traumatische Erfahrungen (ggf. auch aus dem Bereich sexueller Gewalt) mitbringen, ist dies vor allem auch ein Signal an die Klienten: Es soll kein exklusives Geheimwissen von Experten geben, sondern Transparenz. Die Verhaltensregeln sollen vom Klienten einsehbar und überprüfbar sein. Was in der Beratungsarbeit geschieht, wird erläutert und kann hinterfragt werden. Daher wurde der Verhaltenskodex auch veröffentlicht und wird zukünftig sowohl im Internet als auch bei Flyern prominent abgedruckt.

Wichtig beim Verhaltenskodex ist dabei der Schwerpunkt auf dem sichtbaren Verhalten. Untersuchungen zeigen, dass Haltungen oft nicht den Weg in Verhaltensweisen finden, vor allem unter Stress nicht. Zudem ist Gesinnung nicht messbar und nicht vorschreibbar. Verhalten hingegen sehr wohl. Dies bedingt weiter eine interne Diskussion zu einer neuen Kultur der Achtsamkeit. Denn die professionelle Sorge um sich selbst  („self care“) als Stressprävention und die Entwicklung der Beratendenpersönlichkeit hin zu mehr Kritikfähigkeit, Achtsamkeit und Ichstärke, sind Aspekte, die ein Einzelner nur leisten kann, wenn er von der Institution bzw. konkret den Kolleginnen und Kollegen darin unterstützt wird und diese ebenso unterstützt.

Seitens des Trägers folgern daraus aber auch ganz einfache Mechanismen, z. B., dass in den Ausschreibungen für neues Personal darauf hingewiesen wird, dass wir einen aktiven Einsatz für Kinder- und Jugendschutz erwarten und das in jedem Einstellungsgespräch die Frage der Prävention sexueller Gewalt und der dafür nötige Verhaltenskodex Thema ist.

...neue Beratungs- und Beschwerdewege

Ab 2016 wird als nächster Baustein des institutionellen Schutzkonzeptes der Beratung dann erprobt, wie die Beratungs- und Beschwerdewege für Klienten und Mitarbeitende neu aufgestellt werden können. Vorbild sollen dabei Erfahrungen mit „Critical Incident Reporting“ Systemen (C.I.R.S.) sein, wie sie bereits seit längerem im medizinischen Bereich erprobt werden.

Dies alles sind Beispiele dafür, wie dynamisch sich der Bereich weiter entwickelt. Und das zunehmend diversifiziert, weil die Landkreise und die seitens der Jugendhilfe örtlich sichtbaren Notwendigkeiten unterschiedlich sind. Ein Aspekt, der dabei eine Rolle spielt ist die Frage des demographischen Wandels, der die Landkreise in Rheinland-Pfalz und Saarland unterschiedlich betrifft, wenn es auch eine Tendenz hin zu einem Absinken der Bevölkerung gibt. Dies ist auch ein Hintergrund mancher Diskussion in der Synode des Bistums Trier, bei der auch abzuwarten gilt, welche neuen Herausforderungen die Synodenbeschlüsse an die Beratungsstellen stellen werden.

Dr. Andreas Zimmer

Lebensberatung im Bistum Trier - Jahresbericht 2015

Schwerpunktberichte der einzelnen Beratungsstellen

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  • pdfBad Kreuznach Interkulturelle Interaktion: Beratungsalltag und besondere Herausforderung!
  • pdfBetzdorf "Es tut gut gehört zu werden!"
  • pdfBitburg Kinder in Patchworkfamilien - Herausforderungen gemeinsam meistern
  • pdfCochem Kindliche Sexualentwicklung - was ist "normal"?
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  • pdfHermeskeil "Was will ich eigentlich? Und was kann ich dazu tun?" Beratung von jugendlichen Ratsuchenden
  • pdfKoblenz Wenn die Liebe "in die Jahre kommt" Paare im dritten Lebensalter
  • pdfMayen Flüchtlinge - Resümee nach einem Jahr
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  • pdfSaarlouis Den alten Mustern entkommen...oder Schritte der Selbstaktivierung
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