Lebensberatung im Bistum Trier - Jahresbericht 2016

Jahresbericht und Rückblick

Das aktuelle Thema:

Wirksamkeit von Erziehungsberatung bestätigt

„Erziehungsberatung bewirkt erhebliche Verbesserungen im familiären Zusammenleben der ratsuchenden Menschen und trägt neben einer Förderung der Erziehungskompetenz insbesondere dazu bei, dass sowohl Eltern als auch junge Menschen besser mit belastenden Situationen umgehen können.“ Dies sind die zentralen Forschungsergebnisse der Wir.EB-Studie, die vom IKJ Mainz dank einer Förderung der Stiftung Mensch durchgeführt werden konnte. Das auf zwei-einhalb Jahre angelegte Projekt wurde von den Lebensbera-tungsstellen im Bistum Trier mit initiiert und in einer Projektgruppe aktiv begleitet. Ziel der Studie war es, erstmals praxisgerechte Evaluationsinstrumente für die Bera-tungsarbeit zu entwickeln, die unmittelbare Aussagen zur Wirksamkeit von Erziehungsberatungsprozessen ermöglichen.

Orientiert an der zweiten World Vision Kinderstudie (2010) sowie dem 14. Kinder- und Jugendbericht des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, basiert die Studie auf dem gerechtigkeitstheoretischen Befähigungsan-satz („Capability Approach“) von Amartya Sen und Marha Nussbaum. Bei diesem stehen die klientenbezogenen Verwirklichungschancen bzw. Grundbefähigungen (englisch capabilities) für ein gelingendes Leben im Mittelpunkt. Die für den Prozess einer Erziehungsberatung untersuchten „Capabilitites“ waren z. B. bei Kindern und Jugendlichen körperliche und psychische  Gesundheit, Fähigkeit zur Bewältigung von Herausforderungen und Schutzfaktoren gegenüber Belastungen (Resilienz), sozioemotionale Fähigkeiten zur Herstellung befriedigender Beziehungen sowie Eigenständigkeit und Teilhabe. Auf der Ebene der Eltern wurden beispielsweise deren Erziehungskompetenz sowie das Vorhandensein sozialer Ressourcen im familiären Nahfeld erfragt.

 

Dr. Andreas Zimmer, Leiter der Abteilung Beratung und Prävention

Das neu entwickelte Wir.EB-Instrumentarium zur Evaluation von Erziehungsberatungsverläufen wurde in mehr als 80 Beratungsstellen bundesweit erprobt. Dabei wurde jeweils zu Beginn und am Ende der Beratung die Ausprägung bei unterschiedlichen Befähigungen erhoben. Neben den Einschätzungen der Beratungsfachkräfte wurden jeweils auch die Sichtweisen der Eltern und jungen Menschen einbezogen. Insgesamt wurden mehr als 6.000 Beratungsverläufe dokumentiert.
Alle 20 Dienststellen der Lebensberatung im Bistum Trier haben an der Studie teilgenommen. Die überaus positiven Ergebnisse der Studie belegen daher auch die hohe Qualität unserer Beratungsarbeit. Die Forschungsergebnisse von Wir.EB zeigen, dass neben der allgemeinen Verbesserung im familiären Zusammenleben, der Erziehungskompetenz der Eltern und des Umgangs mit belastenden Situationen in der Erziehungsberatung, vor allem bei den intendierten Capability-Dimensionen, eine hohe Wirksamkeiten erreicht wurde. Dabei handelt es sich um die Lebensbereiche, in denen ein konkreter Änderungswunsch für die Beratung formuliert wurde. Die Auswertung der Sichtweisen ergab, dass sich eine hohe Übereinstimmung der Einschätzungen sowohl von Beratern, wie von Eltern und jungen Menschen feststellen lässt. Weiterhin  zeigt sich, dass Erziehungsberatung an den Befähigungen der Beratenen anknüpft, diese aktiviert und damit eine künftige Bewältigung aus eigenen Kräften besser ermöglicht. Man kann sie demnach als eine professionelle „Hilfe zur Selbsthilfe“ einordnen. Die Befunde der begleitend durchgeführten Validierungsstudie zeigen, dass das Wir.EB-Instrumentarium eine hohe Reliabilität und Validität auf-weist. Es entspricht damit den Gütestandards eines wissen-schaftlich fundierten wirkungsorientierten Evaluations-verfahrens. Die Rückmeldungen aus der Beratungspraxis unterstreichen ferner, dass die Fragebögen  gut von den Klienten angenommen wurden. Außerdem war die Durchführung der Fragebogenerhebung in die alltäglichen Abläufe von Beratungsstellen integrierbar. Ziel ist, dies weiter zu verbessern, indem die Eingabe der Daten tech-nisch in die bestehenden EDV-Systeme der statistischen Erfassung von Beratungsleistungen integrierbar wird.

Jetzt wird ein breiter Einsatz der entwickelten Evaluationsinstrumente vom Bistum Trier für seine Lebensberatungsstellen anvisiert. Es geht darum, dafür zu sorgen, dass das Wir.EB-Instrumentarium nachhaltig  in der Regelarbeit von Beratungsstellen genutzt werden kann. Dies setzt aber auch voraus, dass kommunale Zuschussgeber deutlich machen, dass sie politisch an dieser Art der Qualitätssicherung inte-ressiert sind. Über die konkreten Ergebnisse der Wir.EB-Studie soll in den nächsten Monaten breit informiert werden, insbesondere auch über die empirisch ermittelten Wirkfaktoren von Erziehungsberatung (z. B. geringe Warte-zeit, hohe Qualifikation des Beratungspersonals). Damit soll  eine Diskussion angeregt werden, wie die Ergebnisse der Evaluationsstudie zu bewerten sind, und eine Klärung erfolgen, ob und wie das nun vorliegende In-strumentarium in der Regelarbeit fortgesetzt werden kann.

Dr. Andreas Zimmer
Abteilungsleiter Beratung und Prävention

Lebensberatung im Bistum - Jahresbericht 2016

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